Das europäische Satellitennavigationssystem Galileo soll, ähnlich dem amerikanischen NAVSTAR-GPS und dem russischen GLONASS-System, der Lieferung weltweiter Daten zur genauen Positionsbestimmung dienen. Das von Beginn an stark umstrittene Projekt befindet sich nach der Planungs- und Errichtungsphase nunmehr in der Phase der Fertigstellung. Kritisiert wurde das Projekt aufgrund der immensen Kosten, die es verursacht, und die im Lauf der Zeit immer weiter stiegen. Außerdem wurde die Sinnhaftigkeit häufiger in Frage gestellt, da es ohnehin das amerikanische GPS gibt. Befürworter jedoch betonen die Wichtigkeit einer von den Amerikanern unabhängigen europäischen Satellitennavigation.
Galileo – Planungsstand und Kosten
Das, anders als das amerikanische und das russische Satellitennavigationssystem, für zivile Zwecke konzipierte Galileo untersteht keiner nationalen militärischen Kontrolle. Es soll aber der Europäischen Sicherheitspolitik zur Verfügung stehen. 2012 befindet sich das Projekt in der Umsetzungsphase, nachdem die ersten zwei Satelliten 2011 ins All befördert wurden. Im September 2012 sollen weitere zwei Satelliten folgen. Die ersten Dienste werden laut Planung 2014 verfügbar sein. Für spätestens 2020 ist die Betriebsbereitschaft der gesamten Konstellation mit dreißig Satelliten vorgesehen. Die Kosten für das von vielen Seiten, auch der Großindustrie, immer wieder in Frage gestellte und kritisierte Galileo-Projekt beliefen sich bis 2007 auf 1,5 Mrd. Euro. Die für die Fertigstellung vorgesehenen 3,4 Mrd. Euro aus dem EU-Haushalt werden sich bis 2020 voraussichtlich auf 5,3 Mrd. Euro erhöhen und so um einiges höher ausfallen als geplant.
Galileo- ein Quantensprung im Vergleich zu GPS?
Neben den hohen Kosten stellen Gegner des Projekts die Sinnhaftigkeit eines weiteren Satellitennavigationssystems in Frage. Das Projekt wird auch als überdimensioniert bezeichnet. Von offizieller Seite gibt es jedoch sehr optimistische Prognosen in Bezug auf die wirtschaftlichen und sozialen Vorteile von Galileo. Außerdem wird die Überlegenheit der EU-Satelliten im Vergleich zu den amerikanischen betont. Galileo sei im Vergleich zu GPS ein Quantensprung. Im Jahr 2014 soll die noch bessere GPS III-Technik bereit zum Einsatz sein. Eine dreidimensionale Positionsbestimmung mit einer Abweichung unter vier Metern stellt das amerikanische GPS mit 15-29 Metern in den Schatten. Vor allem im Katastropheneinsatz kann sich der Unterschied lebensrettend auswirken. Ein zukunftsweisender Qualitätssprung wird jedoch nur erreicht, wenn Galileo mit den schon bestehenden Systemen GLONASS und GPS integriert wird. Die Kompatibilität von Galileo mit GPS III ist schon vorgesehen. Als Rechtfertigung für den großen Aufwand reichen diese Begründungen jedoch nicht, nach weiteren Anwendungsmöglichkeiten wird zurzeit noch gesucht. Denkbar ist der Einsatz in der Landwirtschaft, beim Andocken von Schiffen und in der nächsten Generation von Auto-Navigationssystemen. Auch Piloten können von der genaueren Ortung profitieren.
Bedeutung von Galileo für die EU
Selbst wenn die optimistischen wirtschaftlichen Prognosen der EU in Bezug auf Galileo übertrieben sein sollten, ist es doch wichtig, dass Europa ein von den USA unabhängiges Satellitennavigationssystem zur Verfügung hat. Vor allem die größere Präzision und Genauigkeit zeichnen Galileo aus. In Kombination mit dem amerikanischen GPS lassen sich so nach Umweltkatastrophen Einsätze präziser und genauer durchführen. Allein dieser Grund spricht sehr für das Projekt. Trotzdem würde eine genaue Offenlegung der wirklichen Beweggründe der EU die Glaubwürdigkeit von Galileo stärken. So sollen im Hintergrund nationale und militärische Interessen eine große Rolle spielen.